Leader, die Zeitung des Technopark® Zürich vom Mai 2002, S. 10

Ein ETH-Spin-off auf Erfolgskurs

Thales Technologies AG

 

 

(ss) Thales Technologies AG betreibt chemische Forschung und Entwicklung von organometallischen Katalysatoren für die Polymer- (Verbindungen aus Riesenmolekülen), Spezialitäten- und Pharmachemie. Ein Katalysator ist ein Stoff, der durch seine Anwesenheit chemische Reaktionen herbeiführt oder ihren Verlauf beeinflusst, wobei er selbst unverändert bleibt. Der bekannteste Katalysator ist wohl derjenige bei Kraftfahrzeugen, der Abgase von umweltschädlichen Stoffen reinigt. In der chemischen Industrie werden jedoch noch tausende andere, zum Teil hochspezifische Katalysatoren eingesetzt, und generell ist ein deutlicher Trend zu immer präziser katalysierten industriellen Prozessen merkbar.

1999 wurde das Jungunternehmen als Spin-off der ETH Zürich von Prof. Dr. Peter Chen und Paul Nelson gegründet. Peter Chen ist Professor am Laboratorium für Organische Chemie der ETH-Hönggerberg. Derzeit werden neun Mitarbeiterinnen beschäftigt, wobei vier weitere ihren Vertrag bereits unterzeichneten, jedoch noch die Arbeitsbewilligung abwarten müssen. «Es ist hart, dies sagen zu müssen, aber wir finden zu wenig qualifizierte Fachkräfte in der Schweiz und müssen uns deshalb auch im Ausland umschauen», erklärt Dr. Martin Huber, der als ausgebildeter Chemiker das Marketing betreut. Bis Ende 2002 soll die Mitarbeiterzahl gar verdoppelt werden. Die Firma beschäftigt bis auf Paul Nelson ausschliesslich ChemikerInnen. «Bei uns steht ganz klar die Chemie im Vordergrund!», betont Dr. Martin Huber.

Thales Technologies‘ Business-Modell stützt sich auf zwei Standbeine: Einerseits betreiben sie Forschung und Entwicklung in eigener Sache, das heisst, sie suchen nach neuen Katalysatoren, wobei sie durch Mechanismus-basiertes Design und Inspiration auf Leadstrukturen stossen. Die neu entdeckten Katalysatoren werden anschliessend patentiert und zur Lizenzierung auf den Markt gebracht. Bereits zwei neuartige Katalysatoren sind kurz vor ihrer Markteinführung.

Andererseits betreiben sie Auftrags­forschung für Kunden aus der Polymer-, Spezialitäten- und Pharmachemie und wenden dabei die eigens entwickelte und patentierte «High Throughput Screening»-Technologie an. Diese Technologie eignet sich aufgrund ihrer Schnelligkeit und ihres grossen Informationsgehalts zur Optimierung bestehender oder zur Entdeckung neuer Katalysatoren. Die Technologie basiert auf der Entwicklung neuartiger Methoden von «Elektrospray Ionisierungs Tandem Massen Spektrometrie», die es ermöglicht, direkt ins Herz einer katalysierten Reaktion zu blicken, die dann erfasst, isoliert und untersucht wird. Diese Technik ist in Abbildung 1 illustriert, die im Vordergrund einen Massen-Spektrometer, einen ausge­wählten Katalysator und dessen chemische Reaktion zeigt, während im Hintergrund die Reaktion analytisch im Spektrometer verfolgt wird. Diese neuartige und innovative Methode wurde an der ETH entwickelt, und bald fanden Prof. Chen und Paul Nelson heraus, dass sie ein enormes wirtschaftliches Poten­zial birgt, woraus schliesslich der Spin-off Thales Technologies AG entstand.

CTO und Verwaltungsratspräsident Prof. Dr. Peter Chen, der als Koryphäe auf seinem Gebiet gilt, erläutert den Nutzen von Thales‘ Technik als die weltweit einmalige Fähigkeit, Mischungen von katalytischen Verbindungen zu durchleuchten, ohne diese davor rein synthetisieren zu müssen. Dies bringt enorme Zeiteinsparungen ein und liefert darüber hinaus wertvolle Informationen über die reaktiven Zentren der katalytischen Prozesse.

 

2 Millionen Venture Capital

 

Anfang 2002 erhielt Thales Technologies in einer ersten Investitionsrunde 2 Millionen Franken als Early-Stage-Fonds von Venture Incubator AG, weIche 2001 auf Initiative von McKinsey & Company und der ETH Zürich gegründet wurde.

Paul Nelson, CEO von Thales, plant den Einsatz dieser Finanzen zur Intensivierung der Forschung. «Unser Ziel ist es, unseren technologischen Vorsprung in ‘High Throughput Screening’ weiter auszubauen und unseren Kunden einen einmaligen Service für die Optimierung ihrer Katalysatoren zu liefern. Darüber hinaus werden wir ein starkes Portfolio von eigenen Katalysatoren zur Lizenzierung entwickeln, die einen grossen Bereich industriell wichtiger Prozesse abdecken.»

 

Thales - der erste überlieferte Philosoph

 

Auf die Frage, wie der Name Thales entstanden sei, erklärt Dr. Martin Huber, dass den Firmengründern die Idee gefiel, sich nach dem ersten der Menschheit bekannten Philosophen zu benennen. Thales war nicht nur Philosoph, sondern auch Mathematiker und Astronom und lebte ca. 600 Jahre vor unserer Zeit in der reichen Handelsstadt Milet. Er ist vor allem durch die These «Alles ist Wasser» bekannt geworden und zeigte auf, dass die wissenschaftliche Grundlagenforschung einen grossen wirtschaftlichen Nutzen bringen kann.


Standort TECHNOPARK® ZüRICH

 

Der Technopark Zürich wurde nicht zufällig als Standort gewählt, sondern in seiner Rolle als «Hightech Incubator» stellt er die Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft dar. Die ETH Zürich mietet beispielsweise einen ganzen Häusertrakt für ihre Institute und Spin-offs, um näher am Markt zu sein. Dort befindet sich auch Thales Technologies. Obwohl der Spin-off-Mietvertrag mit der ETH Ende 2002 abläuft, überlegt sich die Firma, im Technopark Zürich zu bleiben: «Seine zentrale Lage, die gute Infrastruktur und die Dynamik des Hauses sind ganz klare Pluspunkte. Auch unsere MitarbeiterInnen schätzen die gute Erreichbarkeit und die pulsierende Umgebung von Zürich-West, das sich innert kürzester Zeit zum In-Quartier entwickelt hat. Nebenher bietet er genügend Freiraum für Inspirationen und Ideen, die wir für unsere Forschung brauchen», so Dr. Martin Huber.

 

 

Thales Technologies’ «High Throughput Screening»-Methode wird auch «Fishing for Catalysts» genannt. Sie erlaubt, aktive Katalysatoren effektiv und schnell aus einem «wilden Gemisch» heraus zu identifizieren, ohne dass diese zuvor rein synthetisiert werden müssen.

www.thalestech.com

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04.06.2002