Novartis-Tochter kauft Schlieremer Biotechfirma
Erfolgreiches Jungunternehmen
Alcon, der Weltmarktleader in Sachen Augenheilmittel, übernimmt für
mehrere hundert Millionen Dollar die Schlieremer Biotechfirma Esbatech. CEO
Dominik Escher freut sich über die Kapitalspritze.
Dominik
Escher
«Wir sind stolz, dass der weltweite Marktleader unser
grosses Potenzial erkannt hat.»
Herr Escher, vor zehn Jahren gewann die
Biotechfirma Esbatech einen Wettbewerb für Jungunternehmer. Seither bestand
Ihre Aufgabe als CEO im Wesentlichen in der Suche nach Geld. Sind Sie nach der
Übernahme durch Alcon alle Sorgen los?
Dominik Escher: In erster Linie sind wir stolz, dass der weltweite
Marktleader für Augenheilmittel das grosse Potenzial unserer
Technologie-Plattform erkannt hat. Wir standen zuletzt auch mit anderen
Unternehmen in Kontakt, aber es ist natürlich schön, mit dem besten Player
zusammenarbeiten zu können.
Was macht Ihre Firma derart attraktiv,
dass die zukünftige Novartis-Tochter Alcon zunächst 150 Millionen Dollar und
später allenfalls bis zu weiteren 439 Millionen Dollar bezahlt?
Wir arbeiten an der Entwicklung von neuartigen Medikamenten gegen
Augenkrankheiten auf der Basis von Antikörper-Fragmenten. Das am weitesten
fortgeschrittene Produkt verwenden wir bei entzündlichen Augenleiden, die bis
zur Erblindung führen können. Die heutigen Medikamente zeigen unliebsame
Nebeneffekte wie etwa eine Anfälligkeit auf den grauen Star.
Wann werden Ihre Produkte Marktreife
erlangen?
Wir stehen momentan in klinischen Tests der Phase II. Bald folgen weitergehende,
weltweite Studien, die kostenintensiv sind und für ein mittleres
Biotech-Unternehmen eine Schuhnummer zu gross sind. Das ist der Grund, wieso wir
uns gerade jetzt einen finanzkräftigen Partner gesucht haben. Auch so ist es
noch immer ein langer Weg bis zur Zulassung der Medikamente - wir rechnen mit
weiteren drei Jahren.
Esbatech ging einst als Spin-off aus der
Universität Zürich hervor. Profitiert die Universität vom Deal?
Im breit gestreuten Aktionariat mit vorwiegend Private-Equity-Firmen ist
weiterhin auch die Universität Zürich vertreten. Ihr prozentualer Anteil ist
allerdings gering, die genauen Zahlen geben wir nicht bekannt. Operativ hat sich
Esbatech schon vor vielen Jahren von der Universität gelöst, wir betreiben längst
keine Grundlagenforschung mehr. Die einstmals übernommenen Patente im Bereich
der Gen-Validierung führten zu keinen zählbaren Resultaten. Deshalb hat sich
unsere Firma 2001 mit der Erforschung der Antikörper-Fragmente völlig neu
positioniert.
Der Käufer Alcon mit Sitz in den USA
steht selber mitten im Übernahmeprozess von Nestlé zu Novartis. Welchen
Einfluss hat dies auf den zukünftigen Standort von Esbatech?
Wir werden unseren Sitz im Biotech-Center in Schlieren behalten. Alle 54
Mitarbeiter werden von Alcon übernommen und weiterbeschäftigt.
Interview: -yr.
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02.12.2009